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Astrologische Symbolaufstellung - Ilka Plassmeier aus Detmold

Helfersyndrom

Zwischenmenschliche Beziehungen jeglicher Art sind die Herausforderungen unseres Leben. So kann es sein, dass es vielleicht ein oder zwei Menschen in unserem Umfeld gibt, für die wir besonders viel tun - auch ungefragt. Wenn es der Partner ist oder ein Familienangehöriger wird das schnell mit dem Argument "ich tue das aus Liebe" abgetan. Doch lassen wir mal die Liebe weg - warum bemuttert man den anderen so sehr - oder opfert sich sogar auf?

Unbewußt versucht unser Unterbewußtsein an diesem Menschen etwas wieder gut zu machen. Es muss in früheren Leben eine Verschuldung gegenüber diesem Menschen gegeben haben, so dass man ihm heute alles nachsieht, ständig Hilfe leistet und den anderen übermäßig unterstützt. Tief in uns gibt es dann den Wunsch, die frühere Verschuldung ungeschehen zu machen. Da man sich heute aber nicht mehr an die Ursache erinnert, fragt man sich schon manchmal insgeheim: Warum mache ich das eigentlich?

Auch mir ging es so mit meinem Bruder. Ich habe ihn nach dem Tod unserer Mutter übermäßig bemuttert, ihm alles abgenommen (vom Haushalt bis zum Schriftverkehr) und ihm immer Dinge gekauft, die er "brauchte". Er musste nicht einmal fragen, ob ich zur neuen Waschmaschine etwas beisteuern würde. Er rief an und berichtete, dass die alte Waschmaschine kaputt ist - und ich kaufte ihm eine neue. - Er ist ja mein Bruder.
Und doch gab es eine Stimme in mir, die fragte: Warum mache ich das eigentlich? Er ist doch für sich selbst verantwortlich. Und wie soll er lernen, wenn ich ihm immer alles abnehme?

Eine Rückführung brachte sehr viel Licht ins Dunkle und veränderte unser Geschwisterverhältnis grundlegend. Es ging um ein Leben, in dem die Sklaverei noch üblich war. Ich war ein freier Mann, der sich in eine Haussklavin eines Kunden verliebte. Immer, wenn ich etwas zu dem Gut lieferte, konnte ich auch einige Zeit mit ihr verbringen. So bekamen wir zwei Kinder. Da die Kinder in Gefangenschaft geboren wurden, waren sie Eigentum des Gutsherrn. Ich war vielleicht ein Mal pro Woche am Gut und baute zu den Kindern keine wirkliche Beziehung auf. Aber die Frau liebte ich sehr. Ich wollte sie für mich allein haben. Also kaufte ich sie frei - die Kinder aber nicht. Ich rechtfertigte meine Entscheidung damit, dass ich ja nicht sicher sein könnte, dass es wirklich meine Kinder seien. Aber innerlich kannte ich die Wahrheit ganz genau - ich wollte meine Frau nur nicht teilen. Nach einiger Zeit hielt es meine Frau ohne die Kinder aber nicht mehr aus. Da ich mich immer noch weigerte, die Kinder frei zu kaufen, ging sie freiwillig in die Sklaverei zurück.

Mein heutiger Bruder war eins meiner damaligen Kinder - Diese Erkenntnis traf mich sehr. Erklärte mir aber auch, warum ich mich heute so verhalten habe.
Die Aufgabe für das Hier und Heute ist: Meinen Bruder in seine Eigenständigkeit zu bringen. Ihn zu unterstützen, wenn er fragt. Mit Verhätscheln und Für-ihn-Bezahlen bringe ich ihn wieder in ein Abhängigkeitsverhältnis und baue neues Karma auf. Ich muss mich also ganz bewußt aus seinen Angelegenheiten raushalten. Interessanterweise war nach dieser Rückführung das innerliche Drängen, ihn zu bemuttern, und das Verpflichtungsgefühl für ihn zu tun und zu zahlen, völlig weg. Und er machte auch keine Andeutungen mehr, obwohl er von der Rückführung und meiner Erkenntnis nichts wußte.
Er ist mein Bruder - und ich liebe ihn - und ich kann ihn heute seinen eigenen Weg gehen lassen. Er ist für sich selbst verantwortlich. Ein gutes Gefühl. Heute ist unser Verhältnis gesund und entspannt. Er schätzt mich wesentlich mehr als noch zu der Zeit, als ich ihn ständig bemutterte und ihm das Leben "leicht" machte.

siehe hierzu auch die Schmetterlings-Geschichte

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